Strom aus der Wüste und Biogas
Die Novelle des Erneuerbaren-Energien-Gesetzes (EEG) brachte eine Neugewichtung im Energie-Markt mit sich: Die Novelle, die zum Jahreswechsel 2008/09 in Kraft trat, sieht eine Erhöhung des Anteils regenerativer Energien bis zum Jahre 2020 auf 25 Prozent bis 30 Prozent vor. Durch das EEG werden neben Biogas auch Wasserkraft, Geothermie, Wind- und Sonnenenergie gefördert.
Biogas, das Gemisch aus Methan und Kohlenstoffdioxid, bzw. dessen Anlagenbau wird noch staatlich subventioniert, es wird in so genannten Biogasanlagen durch einen (kontrollierten) Fäulnisprozess aus Gülle, Bioabfall und/oder Pflanzen wie Mais und Getreide gewonnen. Die meisten der rund 4.000 deutschen Biogasanlagen werden in Bayern (ca. 1.450) betrieben. Größere Anlagen mit mehr als 500 kWel befinden sich hauptsächlich in den neuen Bundesländern und in Norddeutschland. Die subventioneirte Steigerung der Biogaserzeugung und -nutzung ist Teil der Strategie der Bundesregierung zur Erreichung der deutschen Klimaziele.
So viel zur Lage in der Agrarpolitik. Wenn man dann ein wenig über den Tellerrand hinausguckt und einen Blick in die Wirtschaftsnews wirft, springt einem die Debatte um den "Wüstenstrom" ins Auge: Das Siemens Projekt "Desertec" steht im Blickpunkt der Aufmerksamkeit. Wie "Der Spiegel" berichtete, distanziert sich Siemens-Vorstandschef Löscher von jeder Kritik an dem geplanten Wüstenstromprojekt: Es sei nicht unwirtschaftlich, den in Afrika gewonnenen Strom nach Europa zu transportieren. "Stromautobahnen können heute technisch und wirtschaftlich höchst effizient sein. Für uns gehört das schon heute zum Stammgeschäft", sagte Löscher.
Was nun, mag sich der geneigte Leser fragen: Fördern wir nun einheimische erneuerbare und umweltschondene Energien, auch, um unsere Umwelt und auch gerade Afrika, das von dem Klimawandel mit am stärksten betroffen ist, zu schützen, oder investieren wir in alte Energien, die wir dann mit High-Tech zu uns transportieren?
Was für einen Sinn macht es dann, wenn wir weiter unsere Milch beim nächsten Bauern kaufen, über Milchpreise im Discounter streiten und ein ökologisches Gewissen pflegen, wenn dann unsere Bio-Lebensmittel im mit afrikansichem Strom betriebenen Kühlschrank frisch gehalten werden?
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